Gehstöcke und Rollatoren sind etwas für alte Menschen?!

In unserer Gesellschaft hat sich ein Schwarz-Weiß-Denken entwickelt. Es existieren sehr viele Vorurteile gegenüber körperlichen Behinderungen.


"Wer im Rollstuhl sitzt kann auch nicht laufen"
"Gehstöcke und Rollatoren sind etwas für alte Menschen"
"Wer mit Krücken geht hatte einen Unfall"
"Seniorenmobile sind für geschwächte Senioren oder dicke und geh-faule Menschen"

Aufgrund dieser (auch oft unbewussten) Vorurteile kommt es nicht selten vor, dass mich Menschen richtiggehend anstarren. Meine Mitmenschen sind verwundert wenn ich aus meinem Rollstuhl aufstehe um ein paar Schritte zu gehen, weil ständiges Sitzen ebenso beginnt zu schmerzen. Bin ich mit meinem Gehstock unterwegs fragen mich Passanten, was ich denn mit meinem Bein angestellt hätte.
Vielen ist einfach nicht klar, dass auch junge Menschen aufgrund von Krankheiten eingeschränkt sind. Es muss nicht immer ein Unfall vorhergegangen sein.


Mittlerweile habe ich ein ganzes Sammelsurium an Mobilitätshilfen zu Hause stehen.


Angefangen hat es schon vor meinem ersten Krankheitsschub (2012) mit Krücken. Diese hab ich seit 2007 immer wieder gebraucht, weil mein linkes Knie unerklärlicherweise immer wieder schmerzte und "wegknickte".

Lange Zeit war ich in meiner Mobilität nicht eingeschränkt, oder zumindest nicht so stark, dass ich eine Stütze gebraucht hab.

2016 kam mein Rollator dazu. Mit meinen damals 27 Jahren war es ein sehr komisches Gefühl einen Rollator zu brauchen. Um ihn besser zu akzeptieren hab ich ihm einen Namen gegeben: James :)
Zusätzlich hab ich mir ein Sitzkissen genäht und ihn auch ab und an mit Tape und Plastikblumen verziert. James war (und wird es wieder sein) ein treuer Begleiter.
Zur selben Zeit habe ich für kürzere Gehstrecken einen Gehstock besorgt.

Aufgrund vieler Schmerzen und Schübe reichte irgendwann auch der Rollator nicht mehr und ein Rollstuhl musste her. Dank diesem konnte ich wieder etwas mehr am sozialen Leben teilhaben. Leider bin ich aber zu schwach um mich selbst im Rollstuhl anzuschieben. Also bin ich hier abhängig von einer Begleitperson. Dadurch fiel mir aber irgendwann die Decke auf den Kopf. Ich kann ja nicht ständig warten bis jemand Zeit und Kraft hat mich zu schieben.

Deshalb musste eine bessere, elektrische Lösung her: ein Elektroscooter oder auch Seniorenmobil genannt. Obwohl ich dafür tief in die Tasche greifen musste hab ich mich gefreut wie ein kleines Kind als ich meinen Elektroscooter geliefert bekam. Ich war endlich wieder ein Stückweit unabhängiger. Mein neues Gefährt bekam auch schon bald einen Namen: Frodo.

Frodo sei Dank, kann ich selbständig mit dem Bus fahren und Termine an der Fachhochschule wahrnehmen. Ich kann innerhalb meines Wohnorts kleine Besorgungen machen und Arzttermine wahrnehmen.

Geht es mir im Rollstuhl schlechter als mit dem Rollator?

Man kann nicht von meiner Mobilitätshilfe Rückschluss auf meine Tagesverfassung nehmen, denn es sind so viel mehr Aspekte die es da zu berücksichtigen gibt. Je nach Gehstrecke, Energie, Schmerzen und Terminkalender entscheide ich mich für eine meiner Mobilitätshilfen. Nur weil mein Hilfsmittel sich ändert, ändert das nicht meinen gesundheitlichen Zustand.
Genauso kann man nicht von meiner Laune auf meine Schmerzen schließen, dazu mehr in meinem vorherigen Blogeintrag ;-)

Ich weiß, unsichtbare Krankheiten sind schwer einzuschätzen. Sie heißen ja nicht umsonst "unsichtbar", weil man es der betroffenen Person einfach sehr schwer ansehen kann.
Das wichtigste für uns Betroffenen ist es ernst genommen zu werden, auch wenn man uns den inneren Kampf mit unserem Körper nicht ansieht.


Das nächste Mal wenn ihr jemanden mit einer Mobilitätshilfe sehr, nehmt die Person einfach ernst, seid freundlich, bietet Hilfe an, aber akzeptiert auch, wenn keine Hilfe nötig ist :-)

Mehr zum Thema, was Menschen mit unsichtbaren Krankheiten nicht hören wollen gibt es hier.

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