Subjektive Einschätzung von Schmerzen und Energie - Das Armbandproblem

Die Ursprungsidee meines Masterprojekts besteht in der Vermittlung eines anderen "Normals" - dem "Normal" einer chronisch kranken Person. Dazu habe ich mir Gedanken um eine Visualisierung des Allgemeinzustandes gemacht.

Ich habe dokumentiert

Ein paar Wochen lang habe ich mindestens 3 mal täglich aufgeschrieben, wie ich mich fühle, wie stark meine Schmerzen sind, und wie viel Energie ich habe.
Hier ein paar Screenshots meiner Dokumentation:
Ich habe bald gemerkt, dass 1-2 Blitze zur Visualisierung der Schmerzen zu wenig Abstufungen hat. Deshalb habe ich mir doch wieder gedanken gemacht die Skala von 1-10 zu verwenden, diesmal aber in Form von 1-3 Blitzen in 3 verschiedenen Farben.
Hier meine Notiz-Gedanken dazu:




Die nächsten Tage habe ich also mein neues Blitz-System verwendet:

An diesem Wochenende war ich sogar noch eine 4-Stunden Autofahrt weit weg von zu Hause auf einem Geburtstag. Kein leichtes Unterfangen, wenn man nicht so fit ist. Was sich auch in meiner Dokumentation zeigt:



Wir stellen also fest: 
Alle drei Kategorien (Laune, Schmerz und Energie) hängen zwar zusammen, sind aber gleichzeitig auch unabhängig voneinander. Ich kann also sehr gut gelaunt sein, bei großen Schmerzen. Dabei kann ich ebenfalls viel Energie haben, die aber nirgends "raus kann", da meine Schmerzen zu groß sind um etwas zu tun.
An anderen Tagen bin ich aufgrund der Schmerzen schlecht gelaunt und habe keine Energie. An wiederum anderen Tagen bin ich gut gelaunt, habe kaum Schmerzen. Ich könnte also etwas unternehmen, aber mir fehlt die Energie.
Alle drei Kategorien sind gleichzeitig abhängig sowie unabhängig voneinander.

Die Idee von Hanna Ensor, mit Hilfe von Armbändern zu signalisieren wie es einem geht und ob eine kranke Person Hilfe benötigt, möchte, oder gar ablehnt, finde ich nach wie vor eine sehr gute.

Mir ist aber während meines Reha-Aufenthalts folgendes aufgefallen:
Auch die Wahrnehmung der kranken Personen ist natürlich sehr subjektiv. So kann es sein, dass es mir ein paar Tage lang sehr schlecht geht, dann würde ich das rote Armband anziehen, welches Signalisiert: Bitte hilf mir gerne, ohne zu fragen.
Wenn es mir dann bessergeht, ziehe ich eher das orange an, welches signalisiert: Ich brauche ab und zu Hilfe, du kannst sie mir gerne anbieten.
Vielleicht geht es mir aber auch nur ein bisschen besser, aber ich bin sehr ehrgeizig und ziehe deshalb das grüne Armband an, weil ich keine Hilfe möchte, obwohl ich sie vielleicht benötigen würde.
Oder ich habe an einem Tag kaum Schmerzen, aber auch kaum Energie und ziehe deshalb das rote Armband an.
Es kann mir aber auch im vergleich zu den letzten paar Tagen sehr gut gehen, insgesamt aber dennoch sehr schlecht, wobei ich immernoch das rote Armband anziehen würde. Nach Außen hin wirkt das vielleicht als ob es mir noch gleich geht wie vor ein paar Tagen.

Worauf ich hier hinaus möchte:

Man kann nicht unbedingt von der Farbe des Armbandes auf den Schmerzzustand oder gar den Allgemeinzustand einer chronisch kranken Person Rückschlüsse ziehen.
Hier stellt sich die Frage: Muss man das überhaupt?
Reicht es nicht das Umfeld soweit aufzuklären, dass sie einfach nur auf die Armbänder reagieren, ohne Rückschlüsse auf den Zustand der kranken Person zu ziehen?


Nur weil ich mal ein grünes Armband trage, weil ich motiviert bin bedeutet das nicht gleich, dass ich an diesem Tag schmerzfrei bin. Diese Problematik gilt es irgendwie in mein Projekt miteinzubeziehen, und das Umfeld richtig aufzuklären.

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